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EPD: Definition, Normenrahmen und französische Umsetzung (FDES, PEP)

Méthodologie

EPD, DEP, FDES, PEP: Diese Umweltdeklarationen strukturieren das CO2-arme Bauen. Dieser Leitfaden erklärt, was eine EPD ist, den Normenrahmen EN 15804, ihre französische Umsetzung und ihre Rolle in der RE2020.

Nathan Gourdin10. März 2025

Die EPD (Environmental Product Declaration), auf Französisch DEP (Déclaration Environnementale de Produit), liefert zuverlässige und geprüfte Informationen über die Umweltwirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg. Im Bausektor ist sie zu einem Referenzdokument geworden: Die RE2020 (französische Umweltregelung für Neubauten) stützt sich direkt auf die Umweltdaten der Produkte, um den CO2-Fußabdruck eines Gebäudes zu berechnen. Dieser Leitfaden gibt einen umfassenden Überblick: was eine EPD ist, welcher Normenrahmen sie regelt, ihre französische Umsetzung über FDES und PEP sowie ihre konkrete Rolle im Ökosystem des nachhaltigen Bauens.

Was ist eine EPD (Environmental Product Declaration)?

Eine EPD ist ein normiertes Dokument, das die Umweltleistung eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg darstellt, von der Rohstoffgewinnung bis zum Lebensende. Sie beruht auf einer Ökobilanz (Lebenszyklusanalyse, LCA), die nach präzisen Regeln erstellt und anschließend von einer unabhängigen dritten Partei geprüft wird.

Diese Prüfung durch eine dritte Partei ist das entscheidende Merkmal der EPD. In der Terminologie der ISO 14025 handelt es sich um eine Umweltdeklaration vom Typ III: Die Daten werden nicht einfach vom Hersteller angegeben, sondern von einer akkreditierten Stelle kontrolliert. Genau das gewährleistet die Objektivität und Vergleichbarkeit der Informationen und damit das Vertrauen der Nutzer.

Konkret beantwortet eine EPD dem Käufer, dem Planer oder dem Bauherrn eine einfache Frage: Welche tatsächlichen Auswirkungen hat dieses Produkt, und wie schneidet es im Vergleich zu einer Alternative ab? Wo eine Marketingaussage unüberprüfbar bleibt, liefert die EPD einen bezifferten, geregelten und belastbaren Wert.

EPD, DEP, FDES, PEP: die Abkürzungen entwirren

Die Fülle an Abkürzungen ist die erste Verwirrungsquelle zu diesem Thema. Hier ist die zu merkende Hierarchie:

  • EPD / DEP: der generische, internationale Begriff. Jede geprüfte Umweltdeklaration vom Typ III ist eine EPD.
  • FDES (Fiche de Déclaration Environnementale et Sanitaire, französische Umwelt- und Gesundheitsdeklaration): die französische Umsetzung für Bauprodukte (Beton, Dämmstoffe, Fenster und Türen, Beläge usw.). Sie fügt eine gesundheitliche Dimension hinzu, die für die französische Regelung spezifisch ist.
  • PEP (Profil Environnemental Produit, französisches Umweltprodukt-Profil): die französische Umsetzung für elektrische, elektronische und gebäudetechnische Anlagen (Heizung, Lüftung, Klimatisierung, Beleuchtung).

Mit anderen Worten: Eine FDES und ein PEP sind beide EPDs, aber auf unterschiedliche Produktfamilien angewandt und durch spezifische nationale Regeln geregelt. Sich diese Unterscheidung zu merken, erspart viele Abgrenzungsfehler bei der Erstellung eines RE2020-Dossiers.

Der Normenrahmen: die Norm EN 15804

Die Norm EN 15804 ist die europäische Referenz für EPDs im Bausektor. Sie regelt die Erstellung der Ökobilanzen von Bauprodukten und definiert die Regeln für die Deklaration der Umweltleistung: welche Indikatoren zu berechnen sind, für welche Phasen des Lebenszyklus und mit welchen Einheiten. Sie ist es, die gewährleistet, dass eine in Frankreich erstellte Deklaration und eine in Deutschland erstellte vergleichbar bleiben.

EN 15804 ist eine sektorspezifische Ausprägung der generischen Ökobilanz-Normen ISO 14040 und ISO 14044, die die Grundsätze und den methodischen Rahmen jeder Ökobilanz definieren: Ziel und Untersuchungsrahmen, Sachbilanz der Flüsse, Wirkungsabschätzung, Auswertung.

Die geltende Fassung ist die Änderung A2, also EN 15804:2012+A2:2019. Diese Änderung wurde 2019 vom CEN (Europäisches Komitee für Normung) angenommen und wurde im Oktober 2022 für jede neue EPD in der Europäischen Union verbindlich. In Frankreich wurde die Fassung NF EN 15804+A2 im Oktober 2022 veröffentlicht, begleitet von ihrer nationalen Ergänzung NF EN 15804+A2/CN, die insbesondere die gesundheitliche Dimension der FDES trägt. Der Übergang von A1 zu A2 hat den Satz an Indikatoren erweitert (mindestens 13 Wirkungsindikatoren statt zuvor 7) und die Aufteilung der Lebenszyklusmodule harmonisiert. Zur Vertiefung dieses Punktes erläutert unser eigener Artikel im Detail, was die Norm EN 15804 ist.

Wie eine EPD entsteht: der Prozess Schritt für Schritt

Die Erstellung einer EPD folgt einer strengen Abfolge:

  1. Erstellung der Ökobilanz. Der Hersteller, in der Regel begleitet von einem Beratungsbüro, erstellt eine Ökobilanz konform zur Norm EN 15804 und zu den für seine Produktfamilie geltenden Produktkategorieregeln (PCR). Dieser Schritt beruht auf präzisen Aktivitätsdaten: Zusammensetzung, Herstellungsverfahren, Energieverbrauch, Transport, Lebensende.
  2. Prüfung durch eine dritte Partei. Eine unabhängige akkreditierte Stelle kontrolliert die Normkonformität der Studie und die Zuverlässigkeit der Daten. Diese Prüfung unterscheidet eine EPD von einer einfachen internen Produktbilanz.
  3. Veröffentlichung. Nach der Prüfung wird die EPD in einer eigenen Datenbank veröffentlicht und den Fachleuten zur Verfügung gestellt.

Eine EPD enthält mehrere Informationsblöcke: Umweltindikatoren (Treibhausgasemissionen, Primärenergieverbrauch, Ressourcennutzung, Abfallaufkommen), technische Daten (Zusammensetzung, Referenznutzungsdauer, Recyclingfähigkeit) und, bei den französischen FDES, gesundheitliche Informationen (Innenraumluftqualität, hygrothermischer, akustischer, visueller und olfaktorischer Komfort).

Die EPDs in Europa: ECO Platform und die gegenseitige Anerkennung

Auf europäischer Ebene ist ECO Platform der Verband, der die nationalen Betreiber von EPD-Programmen zusammenführt. Seine Aufgabe besteht darin, die Praktiken zu harmonisieren und die gegenseitige Anerkennung zu organisieren: Eine in einem Mitgliedsland geprüfte EPD wird in den anderen anerkannt, was grenzüberschreitende Bauprojekte erheblich vereinfacht und zugleich die Transparenz und Vergleichbarkeit der Daten wahrt. Jedes Land behält seinen Betreiber, der die Deklarationen auf nationaler Ebene prüft.

Und in Frankreich? Die INIES-Datenbank und der nationale Betreiber

In Frankreich wird die Verwaltung der Umweltdeklarationen von INIES (INformations sur les Impacts Environnementaux et Sanitaires, Informationen über Umwelt- und Gesundheitswirkungen) übernommen. INIES beherbergt die nationale Referenzdatenbank, prüft und veröffentlicht die FDES und PEP und gewährleistet deren Konformität mit den europäischen und nationalen Normen.

Die FDES ist spezifisch für Bauprodukte. Sie ist konform zur Norm NF EN 15804+A2 und zu ihrer nationalen Ergänzung NF EN 15804+A2/CN. Ihre französische Besonderheit liegt in ihrer gesundheitlichen Dimension: Über die Umweltleistung hinaus deckt sie die gesundheitliche Qualität der Innenräume, die Wasserqualität und den Nutzungskomfort ab.

Der PEP wiederum ist für elektrische, elektronische und gebäudetechnische Anlagen bestimmt. Er wird durch das Programm PEP ecopassport und die Norm NF EN 50693 geregelt, eine spezifische Ausprägung der Ökobilanz für diese Produktfamilien.

Der Prüfprozess in Frankreich verläuft über unabhängige, gemäß den Regelwerken des INIES-Programms akkreditierte Stellen. Nach der Prüfung werden die Deklarationen in der INIES-Datenbank veröffentlicht, die allen Fachleuten des Bauwesens zugänglich ist.

Warum EPDs unverzichtbar geworden sind: die Rolle der RE2020

Die regulatorische Wende vollzog sich mit der RE2020 (Réglementation Environnementale 2020, Umweltregelung 2020), die im Januar 2022 für Neubauten in Kraft trat. Die RE2020 führt einen CO2-Indikator über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes ein, berechnet per Ökobilanz. Diese Gebäude-Ökobilanz aggregiert nun die Wirkungen der Produkte, aus denen es besteht, auf Grundlage der in der INIES-Datenbank verfügbaren Daten der FDES und PEP.

Unmittelbare Folge: Einem Hersteller, dessen Produkte über keine FDES oder keinen PEP verfügen, werden stark benachteiligende Standardwerte zugewiesen (Umwelt-Standarddaten oder DED), die bewusst ungünstig sind. Über eine EPD guter Qualität zu verfügen, wird somit zu einem konkreten Wettbewerbsvorteil: Das Produkt wird in der Berechnung des Bauherrn besser bewertet und daher leichter ausgeschrieben. Die RE2020 hat im Übrigen seit 2022 einen deutlichen Anstieg der Zahl der in INIES veröffentlichten Deklarationen ausgelöst.

EPD und das Ökosystem des nachhaltigen Bauens

Die EPDs durchdringen die gesamte Wertschöpfungskette des Bauwesens:

  • Hersteller: Sie ermöglichen es, die Umweltleistung eines Produkts objektiv aufzuwerten und sich auf einem zunehmend CO2-bewussten Markt zu differenzieren.
  • Planer und Beratungsbüros: Sie speisen die von der RE2020 geforderte Gebäude-Ökobilanz und sichern die Entwurfsentscheidungen ab.
  • Bauherren: Sie liefern die notwendigen Daten, um zwischen Lösungen abzuwägen und den CO2-Pfad eines Projekts zu dokumentieren.

Für einen Industriebetrieb fügt sich die Erstellung einer EPD meist in ein umfassenderes Vorgehen der Ökodesign-Optimierung ein: zuerst messen, dann die Hotspots identifizieren, anschließend auf die Rezeptur, die Verfahren oder das Lebensende einwirken. Genau diese Abfolge begleiten wir bei Releaf Carbon, mit der Sorgfalt eines Beratungshauses und der Klarheit eines Werkzeugs.

Was kostet eine EPD und wie lange dauert sie?

Kosten und Dauer einer EPD hängen von der Komplexität des Produkts, der Verfügbarkeit der Aktivitätsdaten und dem Umfang ab (individuelle, kollektive oder sektorale EPD). Für KMU gibt es ein Förderinstrument zur Entlastung der Rechnung: Der Diag Éco-conception (Ökodesign-Diagnose) von Bpifrance kofinanziert die vorgelagerte Ökobilanz, mit einer Übernahme von bis zu 70 % der Kosten für Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und weniger als 10 Mio. EUR Umsatz. In der Region Hauts-de-France kann der Booster Rev3 ebenfalls 50 % der Nettokosten bis zu einer Grenze von 10 000 EUR abdecken. Um Ihr Projekt zu strukturieren und das Budget abzuschätzen, sprechen wir über Ihren Bedarf.

Von der Messung zur Aufwertung

Die EPD ist keine weitere dokumentarische Pflichtübung: Sie ist die geprüfte Übersetzung einer Ökobilanz-Arbeit und der Schlüssel, der es einem Produkt ermöglicht, in den regulatorischen Berechnungen des CO2-armen Bauens zu existieren. Den Rahmen der EN 15804, die französische Umsetzung FDES / PEP und die Rolle der INIES-Datenbank zu verstehen, bedeutet, sich die Mittel zu geben, um eine normative Auflage in ein Verkaufsargument zu verwandeln. Bei Releaf Carbon begleiten wir Industriebetriebe entlang der gesamten Kette, von der Ökobilanz bis zur geprüften Deklaration. Um Ihre Situation zu bewerten, sprechen wir über Ihr Projekt oder erkunden Sie unsere methodischen Ressourcen.

Häufig gestellte Fragen

  • Eine EPD ist der generische internationale Begriff für eine geprüfte Umweltdeklaration vom Typ III. Die FDES ist ihre französische Umsetzung, spezifisch für Bauprodukte, ergänzt um eine gesundheitliche Dimension, die für die nationale Regelung eigen ist. Jede FDES ist eine EPD, aber nicht jede EPD ist eine FDES.

  • Ja. Für Bauprodukte muss eine EPD konform zur Norm EN 15804 sein, in ihrer Fassung A2 (EN 15804:2012+A2:2019), die im Oktober 2022 für jede neue Deklaration verbindlich wurde. In Frankreich ist die Referenz die NF EN 15804+A2 und ihre nationale Ergänzung NF EN 15804+A2/CN.

  • Die geprüften FDES und PEP werden in der INIES-Datenbank veröffentlicht, die vom gleichnamigen nationalen Betreiber verwaltet wird. Diese Datenbank ist die Referenzquelle für die von der RE2020 geforderten Ökobilanz-Berechnungen.

  • Es ist keine gesetzliche Herstellungspflicht, aber es wird dringend empfohlen. Ohne FDES oder PEP werden dem Produkt bewusst benachteiligende Umwelt-Standardwerte zugewiesen, was es gegenüber Wettbewerbern mit einer geprüften Deklaration benachteiligt.

  • Eine unabhängige und akkreditierte dritte Stelle, gemäß den Regeln des betreffenden Programms (INIES für die FDES, PEP ecopassport für die PEP in Frankreich). Diese externe Prüfung unterscheidet eine EPD von einer einfachen internen Berechnung.